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17.04.2003 - 11:25:00
Berger-Gruppe   |  Memminger

Es werden nur die Größten überleben. Davon ist Oswald Berger (40), Geschäftsführender Gesellschafter der Alois Berger GmbH & Co. KG High-Tech-Zerspanung in Memmingen, überzeugt. Deshalb peilt die Berger Holding (ebenfalls Memmingen), zu der neben der High-Tech-Zerspanung sechs weitere Unternehmen in Deutschland und fünf Auslandstöchter gehören, in den nächsten fünf Jahren einen Umsatzsprung von derzeit 148 Millionen Euro auf 250 Millionen an. Jüngster Meilenstein auf dem Weg dorthin: Bau einer Halle für die Härterei mit einer Investition von 6,7 Millionen Euro für Gebäude und Härteanlagen.

Die neue Halle für die Härterei ist bereits fertig. Das Unternehmen nutzt die Anlage zum Härten der selbst hergestellten Werkstücke, "ab sofort aber auch als Lohnhärterei für andere Firmen", wie Marianne Berger-Molitor erklärt, Leiterin Marketing/presse_neu bei der Holding. Investiert wurde unter anderem in eine Vakuum-Ofenlinie, die "bisher einmalig in Europa" sei.
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Drehteile-Herstellers mit Firmengründer Alois Berger, der im Juni seinen 70. Geburtstag feiert. Der Heimatvertriebene aus dem Böhmerwald begann 1955 in Kaufbeuren-Neugablonz mit zwei Facharbeitern. 1957 dann der Umzug nach Ottobeuren (Unterallgäu). Es folgten Firmengründungen, unter anderem in der Schweiz, Kanada (1979), den USA und in Indien. 1999 wurden alle Einzelfirmen unter das Dach der neuen Berger Holding GmbH gestellt.
Heute arbeiten sechs der sieben Kinder von Alois Berger in leitenden Positionen der Unternehmens-Gruppe. Auch zwei Enkel sind schon in der Firma. Außerdem fungiert ein Neffe als Chef des Werkes in Wertach (Oberallgäu). Somit sieht der Senior-Chef den Konzern nach wie vor als Familien-Unternehmen, obwohl inzwischen weltweit 1300 Menschen für Berger arbeiten, davon in Deutschland 1065 und davon wiederum 150 Lehrlinge.
Als modernster Standort der inzwischen 12 Firmen - 2004 kommt ein weiteres Werk in Polen hinzu - hat sich die von Alois Bergers Sohn Oswald geleitete A. Berger High-Tech-Zerspanung entwickelt. Allein in dieser Firma schellte der Umsatz von 2000 auf 2003 von 30 Millionen Euro auf 48,6 Millionen hoch. Für heuer sind 51 Millionen anvisiert.
Das Wachstum liegt bei Berger vor allem im steigenden Export begründet. Wobei die Allgäuer international gesehen nicht einmal Kostenführer, "aber Technologie-Führer" (Oswald Berger) sind. Die Stärke des Unternehmens liegt ferner in der Flexibilität: "Der Kunde ruft am Freitag an, wir liefern am Montag", versichert Oswald Berger. Erst kürzlich wurde das Berger-Werk in Wertach als einer der vier Top-Lieferanten von der Gildemeister AG (Bielefeld) ausgezeichnet. Das Werk erhielt den "Lieferperformance Preis" für Lieferflexibilität und Liefertreue.
Berger versorgt mit seinen Produkten nicht den Endverbraucher, sondern ist Zulieferer vor allem der Auto-Industrie. Die Bosch-Gruppe mit Sitz in Stuttgart ist zum Beispiel ein großer Abnehmer. Berger liefert einbaufertige Präzisions-Drehteile, hochkomplexe Maschinenbauteile, Kugelgewindetrtiebe, Hohlwellenmotoren und ganze Baugruppen und bietet auch Härtetechnik an.
Allein in den Werken Memmingen, Ottobeuren und Ummendorf bei Biberach wurden im vergangenen Jahr 5812 Tonnen Stahl, 926 Tonnen Aluminium, 213 Tonnen Kupfer und Messing sowie 784 Tonnen Niro verarbeitet. Aus diesen Materialien stellt Berger zirka 2200 verschiedene Werkstücke her - alle speziell auf Kundenwunsch. Profitiert hat Berger mit seinen Produkten vom Dieselboom der letzten Jahre, denn "das ist unser Markt", sagt Oswald Berger.

Bisher ging es bei Berger stets bergauf. Deshalb gab es noch nie Kurzarbeit oder Kündigungswellen in einer der Firmen. Das ist für die Allgäuer Zerspaner-Dynastie aber kein Grund, langsamer zu tun. Die Vision mit 250 Millionen Euro Jahresumsatz sei durchaus realistisch, meint Oswald Berger. Und auch unbedingt erstrebenswert. Denn erst ab dieser Größe "ist man nicht mehr so leicht austauschbar". Was die Firma außerdem von der Konkurrenz abhebt: Berger ist mit zwölf Firmen international aufgestellt und deckt bei den Produkten eine riesige Breite ab - was den Abnehmern Vorteile bringt, wenn vieles aus einer Hand kommt.



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